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Hahnenkampf (петушиный бой)





 

170 Bisweilen geschah es, (иногда случалось) dass wandernde Müllerburschen zur Mühle im Koselbruch kamen und, wie es Brauch (обычай) und ihr gutes Recht war, (их полное: «хорошее» право) den Müller um Wegzehrung (еда: «припасы на дорогу: der Weg die Zehrung) und Quartier (кров: das Quartier) baten. (просили: bitten) Damit hatten sie aber beim Meister am Schwarzen Wasser kein Glück; denn obgleich er dazu verpflichtet (обязан) gewesen wäre, den reisenden Knappen für einen Tag Kost (еда, пропитание: die Kost) und Herberge (ночлег: die Herberge) für die Nacht zu gewähren, (предоставить) hielt er sich nicht an (не придерживался цехового обычая) den Zunftgebrauch, (не придерживался цехового обычая) sondern wies sie mit höhnischen Reden (высокомерно: «высокомерными речами») ab. (отказывал, отвергал: abweisen) Er wolle mit Tagedieben (с лентяями: der Tagedieb) und streunendem Pack (и бродягами: streunen – бродяжничать das Pack – сброд) nichts zu tun haben, (не иметь никакого отношения) fuhr er sie an, (накричал: «наехал» на них) für derlei Gesindel (для подобного сброда: das Gesindel) habe er weder Brot im Kasten noch Brei im Topf: (ни хлеба в коробе, ни каши в горшке) sie sollten sich auf der Stelle zum Kuckuck scheren, (убираться к черту) sonst werde er sie mit Hunden bis nach Schwarzkollm hetzen. (травить, гнать) Dies genügte zumeist, (этого хватало, по большей части) um die Wandergesellen loszuwerden. (избавиться) Falls aber einer aufmuckte, (пытался возражать) wusste der Müller es einzurichten, (умел устроить) dass sich der arme Teufel sogleich von Hunden gehetzt glaubte, (бедняжка думал, что его травят) wild mit dem Wanderstecken um sich schlug (отбивался) und schreiend das Weite suchte. (удирал со всех ног: «искал даль»)

 

Hahnenkampf

 

170 Bisweilen geschah es, dass wandernde Müllerburschen zur Mühle im Koselbruch kamen und, wie es Brauch und ihr gutes Recht war, den Müller um Wegzehrung und Quartier baten. Damit hatten sie aber beim Meister am Schwarzen Wasser kein Glück; denn obgleich er dazu verpflichtet gewesen wäre, den reisenden Knappen für einen Tag Kost und Herberge für die Nacht zu gewähren, hielt er sich nicht an den Zunftgebrauch, sondern wies sie mit höhnischen Reden ab. Er wolle mit Tagedieben und streunendem Pack nichts zu tun haben, fuhr er sie an, für derlei Gesindel habe er weder Brot im Kasten noch Brei im Topf: sie sollten sich auf der Stelle zum Kuckuck scheren, sonst werde er sie mit Hunden bis nach Schwarzkollm hetzen. Dies genügte zumeist, um die Wandergesellen loszuwerden. Falls aber einer aufmuckte, wusste der Müller es einzurichten, dass sich der arme Teufel sogleich von Hunden gehetzt glaubte, wild mit dem Wanderstecken um sich schlug und schreiend das Weite suchte.

 

171 «Wir brauchen hier keine Schnüffler», (шпионы: schnüffeln – вынюхивать) pflegte der Meister zu sagen, (имел обыкновение говорить) «und unnütze Fresser (и бесполезные нахлебники) auch nicht.» Im Hochsommer (в середине лета, в разгар) war es, an einem schwülen, (душный) bleiernen (тяжелый, гнетущий: das Blei – свинец) Tag. Dunstschleier (дымка: der Dunstschleier) hingen über dem Koselbruch, die Luft war so zäh, (вязкий, густой) dass das Atmen schwerfiel. (дыхание давалось с трудом) Vom Mühlgraben ging ein strenger Geruch aus, (исходил строгий = крепкий запах) nach Algen und Faulschlamm: (водорослей и ила: die Alge der Faulschlamm) bald würde es ein Gewitter (гроза) geben. Krabat hatte sich's nach dem Mittagessen im Schatten der Weidenbüsche (в тени ивовых зарослей) am Ufer des Mühlenweihers bequem gemacht. (удобно устроился) Die Hände im Nacken verschränkt, (руки за голову скрестив) lag er rücklings (на спине) im Gras und kaute auf einem Halm. (жевал стебель) Er war matt (вялый) und schläfrig, ihm fielen die Augen zu. (закрывались) Mitten im Eindösen (сквозь дрему) hörte er jemand mit lautem Gepfeife (с свистом) des Weges kommen. Als er die Augen öffnete, stand ein Wanderbursche vor ihm. Der Fremde, ein langer und dürrer, schon etwas älterer Mensch von zigeunerhaft (цыганской) dunkler Hautfarbe, trug einen hohen, merkwürdig spitzen Hut und im linken Ohrläppchen einen schmalen Goldring. Sonst war er wie alle wandernden Müllerburschen gekleidet, mit weiten Leinenhosen, (в широких льняных штанах) ein Handbeil im Gürtel, das Reisebündel am Riemen über der linken Schulter. «Zum Gruß, Bruder!» rief er. «Zum Gruß», sagte Krabat gähnend. (зевая) «Woher, wohin?» «Von dorther nach dahin», meinte der Fremde. «Bring mich zu deinem Müller!»



 

171 «Wir brauchen hier keine Schnüffler», pflegte der Meister zu sagen, «und unnütze Fresser auch nicht.» Im Hochsommer war es, an einem schwülen, bleiernen Tag. Dunstschleier hingen über dem Koselbruch, die Luft war so zäh, dass das Atmen schwerfiel. Vom Mühlgraben ging ein strenger Geruch aus, nach Algen und Faulschlamm: bald würde es ein Gewitter geben. Krabat hatte sich's nach dem Mittagessen im Schatten der Weidenbüsche am Ufer des Mühlenweihers bequem gemacht. Die Hände im Nacken verschränkt, lag er rücklings im Gras und kaute auf einem Halm. Er war matt und schläfrig, ihm fielen die Augen zu. Mitten im Eindösen hörte er jemand mit lautem Gepfeife des Weges kommen. Als er die Augen öffnete, stand ein Wanderbursche vor ihm. Der Fremde, ein langer und dürrer, schon etwas älterer Mensch von zigeunerhaft dunkler Hautfarbe, trug einen hohen, merkwürdig spitzen Hut und im linken Ohrläppchen einen schmalen Goldring. Sonst war er wie alle wandernden Müllerburschen gekleidet, mit weiten Leinenhosen, ein Handbeil im Gürtel, das Reisebündel am Riemen über der linken Schulter. «Zum Gruß, Bruder!» rief er. «Zum Gruß», sagte Krabat gähnend. «Woher, wohin?» «Von dorther nach dahin», meinte der Fremde. «Bring mich zu deinem Müller!»

 

172 «Der sitzt in der Meisterstube», erwiderte Krabat träge. (вяло) «Gleich links, wenn du in den Flur kommst, die erste Tür: sie ist nicht zu verfehlen.» (нельзя не найти, не ошибешься) Der Fremde betrachtete Krabat mit spöttischem Lächeln. (рассматривал с насмешливой улыбкой) «Tu, (сделай) was ich sage, Bruder, und führe mich hin zu ihm!» Krabat spürte, (почувствовал) dass eine gewaltige Kraft von dem Fremden ausging. (мощная сила исходила) Sie zwang ihn, (заставила: zwingen) sich zu erheben und ihm den Weg zu weisen, (указать) wie er's von ihm verlangt hatte. Der Müller saß in der Meisterstube, am oberen Ende des Tisches. Unwillig blickte er auf, (недовольно поднял глаза) als Krabat den fremden Burschen hereinführte; (ввел) den aber schien das nicht weiter anzufechten. (но тому, казалось, все равно) «Mit Gunst!» (мир Вам: die Gunst – благосклонность, милость) rief er, seinen Hut lüpfend. (приподняв) «Ich entbiete dir, Meister, den Gruß (приветствую тебя) und erheische (и желаю) nach Zunftgebrauch Wegzehrung und Quartier für die Nacht.» Der Meister wies (указал) ihm mit seinen üblichen Redensarten (обычными своими речами, словами) die Tür, der Fremde scherte sich nicht darum. (не смутился) «Das mit den Hunden», (насчет собак) sagte er, «kannst du dir sparen (можешь не беспокоиться: «можешь себе сэкономить /усилия/») – ich weiß, dass du keine hast. Du erlaubst doch?» (так позволишь) Er setzte sich ohne weitere Umstände (не церемонясь, без разрешения) auf den Stuhl, der am unteren Ende des Tisches stand. Krabat begriff die Welt nicht mehr. (не понимал больше мир = ничего не мог понять, что происходит: begreifen) Wie konnte der Meister sich das gefallen lassen! (как он позволил это, мирится с этим) Er hätte doch aufspringen, hätte den Fremden davonjagen müssen, (прогнать) ihn notfalls (в крайнем случае) zur Mühle hinausprügeln... (прогнать из мельницы побоями: prügeln – избивать) Warum tat er nichts?

 

172 «Der sitzt in der Meisterstube», erwiderte Krabat träge. «Gleich links, wenn du in den Flur kommst, die erste Tür: sie ist nicht zu verfehlen.» Der Fremde betrachtete Krabat mit spöttischem Lächeln. «Tu, was ich sage, Bruder, und führe mich hin zu ihm!» Krabat spürte, dass eine gewaltige Kraft von dem Fremden ausging. Sie zwang ihn, sich zu erheben und ihm den Weg zu weisen, wie er's von ihm verlangt hatte. Der Müller saß in der Meisterstube, am oberen Ende des Tisches. Unwillig blickte er auf, als Krabat den fremden Burschen hereinführte; den aber schien das nicht weiter anzufechten. «Mit Gunst!» rief er, seinen Hut lüpfend. «Ich entbiete dir, Meister, den Gruß und erheische nach Zunftgebrauch Wegzehrung und Quartier für die Nacht.» Der Meister wies ihm mit seinen üblichen Redensarten die Tür, der Fremde scherte sich nicht darum. «Das mit den Hunden», sagte er, «kannst du dir sparen – ich weiß, dass du keine hast. Du erlaubst doch?» Er setzte sich ohne weitere Umstände auf den Stuhl, der am unteren Ende des Tisches stand. Krabat begriff die Welt nicht mehr. Wie konnte der Meister sich das gefallen lassen! Er hätte doch aufspringen, hätte den Fremden davonjagen müssen, ihn notfalls zur Mühle hinausprügeln... Warum tat er nichts?

 

173 Wortlos saßen die beiden Männer sich gegenüber und starrten sich (уставившись друг на друга) über den Tisch weg an, voller Ingrimm, (затаенная злоба: der Ingrimm) als wollten sie jeden Augenblick mit gezücktem (обнаженным) Messer dem anderen an die Kehle. (к глотке) Draußen grollte der erste Donner: (раскат грома) weit weg noch, ein dumpfes Gemurmel, (глухое бормотание: das Gemurmel, murmeln) kaum wahrnehmbar. (слышный: wahrnehmen – воспринимать, слышать) Da kam Hanzo zur Tür herein, dann Michal, dann Merten. Ein Müllerbursch um den andern betrat die Meisterstube, bis alle versammelt waren. Sie hätten mit einemmal (все разом) das Verlangen (желание) gehabt, nach dem Meister zu sehen, sagten sie später – ganz zufällig hatte es jeden gepackt (охватило) und hierher geführt... Das Gewitter kam näher, ein Windstoß (порыв ветра) machte die Fenster klirren, (захлопнуть, зазвенеть) ein Blitz (молния) zuckte auf. (сверкнула) Der Fremde spitzte (вытянул) die Lippen, dann spuckte (плюнул) er auf den Tisch. An der Stelle, wohin er gespuckt hatte, saß eine rote Maus. (мышь) «Jetzt, Müller, spuck du dagegen an!» Der Meister spie (выплюнул: speien) eine schwarze Maus auf den Tisch, sie war einäugig wie er selbst. Die Mäuse umkreisten (бегали по кругу) einander auf flinken Pfoten, (на быстрых лапках: die Pfote) eine versuchte die andere in den Schwanz zu beißen: (в хвост укусить) die rote die schwarze, die schwarze die rote. Schon setzte die schwarze zum Biss an (была готова, приготовилась к укусу) – da schnalzte der fremde Bursch mit den Fingern.

 

173 Wortlos saßen die beiden Männer sich gegenüber und starrten sich über den Tisch weg an, voller Ingrimm, als wollten sie jeden Augenblick mit gezücktem Messer dem anderen an die Kehle. Draußen grollte der erste Donner: weit weg noch, ein dumpfes Gemurmel, kaum wahrnehmbar. Da kam Hanzo zur Tür herein, dann Michal, dann Merten. Ein Müllerbursch um den andern betrat die Meisterstube, bis alle versammelt waren. Sie hätten mit einemmal das Verlangen gehabt, nach dem Meister zu sehen, sagten sie später – ganz zufällig hatte es jeden gepackt und hierher geführt... Das Gewitter kam näher, ein Windstoß machte die Fenster klirren, ein Blitz zuckte auf. Der Fremde spitzte die Lippen, dann spuckte er auf den Tisch. An der Stelle, wohin er gespuckt hatte, saß eine rote Maus. «Jetzt, Müller, spuck du dagegen an!» Der Meister spie eine schwarze Maus auf den Tisch, sie war einäugig wie er selbst. Die Mäuse umkreisten einander auf flinken Pfoten, eine versuchte die andere in den Schwanz zu beißen: die rote die schwarze, die schwarze die rote. Schon setzte die schwarze zum Biß an – da schnalzte der fremde Bursch mit den Fingern.

 

174 Dort, wo die rote Maus sich geduckt hatte, (пригнулась) duckte sich nun ein roter Kater, (кот) zum Sprung bereit. Augenblicklich verwandelte auch die schwarze Maus sich in einen Kater, schwarz und einäugig. Fauchend, (шипя) mit drohend gezückten Krallen (с угрожающе выпущенными когтями) gingen die zwei aufeinander los. (они набросились друг на друга) Tatzenhieb, (удар лапой: die Tatze der Hieb) Biss und Tatzenhieb! Der rote Kater hatte es auf das eine Auge des schwarzen abgesehen. (норовил попасть) Kreischend (визжа) stürzte (бросился) er auf ihn zu. Es fehlte nicht viel, (чуть было не) da hätte er ihm das Auge ausgekratzt. (выцарапал бы) Diesmal war es der Meister, der mit den Fingern schnalzte. Da saß an der Stelle des schwarzen Katers plötzlich ein schwarzer Gockel. (бойцовый петух) Flügelschlagend, (хлопая крыльями) mit Schnabel (клювом: der Schnabel) und Klauen (когтями: die Klaue) wütend um sich hackend, (долбить, клевать) griff er an, (напал) dass der rote Kater entsetzt (в ужасе) zurückwich (отступил) – aber nicht weit, denn nun schnalzte der Müllerbursch mit den Fingern. Zwei Hähne, ein schwarzer, ein roter, standen sich auf dem Tisch gegenüber, den Kamm geschwollen, (с раздувшимся гребешком) die Federn gesträubt. (с взъерошенными перьями) Draußen ging das Gewitter nieder, (разбушевалась) die Mühlknappen achteten nicht darauf. (не обращали внимания) Zwischen den Gockeln entbrannte (разразилась) ein wilder Kampf. Jäh (резко) aufflatternd, (хлопая крыльями) prallten (наскакивали) sie gegeneinander. Es hagelte (сыпалисть градом: der Hagel – град) Schnabelhiebe und Sporenschläge auf beiden Seiten, sie setzten sich mit den Flügeln zur Wehr, (защищались: die Wehr – защита) dass die Federn stoben, (так что перья летели, разлетались) sie schrien, sie kreischten.

 

174 Dort, wo die rote Maus sich geduckt hatte, duckte sich nun ein roter Kater, zum Sprung bereit. Augenblicklich verwandelte auch die schwarze Maus sich in einen Kater, schwarz und einäugig. Fauchend, mit drohend gezückten Krallen gingen die zwei aufeinander los. Tatzenhieb, Biß und Tatzenhieb! Der rote Kater hatte es auf das eine Auge des schwarzen abgesehen. Kreischend stürzte er auf ihn zu. Es fehlte nicht viel, da hätte er ihm das Auge ausgekratzt. Diesmal war es der Meister, der mit den Fingern schnalzte. Da saß an der Stelle des schwarzen Katers plötzlich ein schwarzer Gockel. Flügelschlagend, mit Schnabel und Klauen wütend um sich hackend, griff er an, dass der rote Kater entsetzt zurückwich – aber nicht weit, denn nun schnalzte der Müllerbursch mit den Fingern. Zwei Hähne, ein schwarzer, ein roter, standen sich auf dem Tisch gegenüber, den Kamm geschwollen, die Federn gesträubt. Draußen ging das Gewitter nieder, die Mühlknappen achteten nicht darauf. Zwischen den Gockeln entbrannte ein wilder Kampf. Jäh aufflatternd, prallten sie gegeneinander. Es hagelte Schnabelhiebe und Sporenschläge auf beiden Seiten, sie setzten sich mit den Flügeln zur Wehr, dass die Federn stoben, sie schrien, sie kreischten.

 

175 Schließlich gelang es (удалось) dem roten Gockel, sich auf den Rücken des schwarzen zu schwingen. (вскочить) Er krallte sich im Gefieder des Gegners fest, (вцепился в перья противника) er rupfte (дергал) ihn unbarmherzig, (немилосердно) er hackte in blinder Wut (в слепой ярости) mit dem Schnabel zu (долбил) – bis der Schwarze die Flucht ergriff. (пустился наутек: die Flucht – бегство) Der rote Gockel verfolgte (преследовал) ihn durch die halbe Mühle, er jagte ihn (гнал) in den Koselbruch. Ein letzter, gewaltiger Blitz flammte auf, (вспыхнул) dann ein Donner wie tausend Paukenschläge (удар в литавры: der Paukenschlag) – und Stille für diesmal, und nur noch der Regen, der vor den Fenstern niederrauschte. (шумел за окнами) «Du hast», sprach der fremde Bursche, «den Zweikampf (поединок) verloren, (проиграл: verlieren) Müller am Schwarzen Wasser. Nun rasch, ich bin hungrig – trag mir zu essen auf (принеси) und vergiss auch den Wein nicht!» Der Meister, kalkweiß im Gesicht, (мертвенно-бледный лицом: der Kalk – известь) erhob sich aus seinem Sessel. Eigenhändig (собственноручно) trug er dem fremden Wandergesellen Brot und Schinken (ветчину) auf, Rauchfleisch (копченое мясо) und Käse, Gurken und Essigzwiebeln. (маринованный лук: «лук в уксусе») Dann brachte er aus dem Keller einen Krug (жбан) Rotwein herauf. «Zu sauer», (слишком кислое) meinte der Fremde, nachdem er davon gekostet hatte. (после того, как отпробовал его) «Hol mir was aus dem kleinen Fass, (принеси мне из маленькой бочки) das rechts hinten im Eck steht! (вон там справа в углу) Du hast es dir für besondere Anlässe (для особых случаев: der Anlass, anlässlich) aufgehoben (приберег, отложил) – dies ist ein besonderer Anlass.»

 

175 Schließlich gelang es dem roten Gockel, sich auf den Rücken des schwarzen zu schwingen. Er krallte sich im Gefieder des Gegners fest, er rupfte ihn unbarmherzig, er hackte in blinder Wut mit dem Schnabel zu – bis der Schwarze die Flucht ergriff. Der rote Gockel verfolgte ihn durch die halbe Mühle, er jagte ihn in den Koselbruch. Ein letzter, gewaltiger Blitz flammte auf, dann ein Donner wie tausend Paukenschläge – und Stille für diesmal, und nur noch der Regen, der vor den Fenstern niederrauschte. «Du hast», sprach der fremde Bursche, «den Zweikampf verloren, Müller am Schwarzen Wasser. Nun rasch, ich bin hungrig – trag mir zu essen auf und vergiss auch den Wein nicht!» Der Meister, kalkweiß im Gesicht, erhob sich aus seinem Sessel. Eigenhändig trug er dem fremden Wandergesellen Brot und Schinken auf, Rauchfleisch und Käse, Gurken und Essigzwiebeln. Dann brachte er aus dem Keller einen Krug Rotwein herauf. «Zu sauer», meinte der Fremde, nachdem er davon gekostet hatte. «Hol mir was aus dem kleinen Fass, das rechts hinten im Eck steht! Du hast es dir für besondere Anlässe aufgehoben – dies ist ein besonderer Anlass.»

 

176 Der Meister fügte sich zähneknirschend. (послушался, скрипя зубами) Er hatte den Zweikampf verloren, er musste kuschen. (слушаться: kuschen – ложиться /о собаке/, не пикнуть) Der Fremde verzehrte (кушал) in aller Ruhe das Mahl, (еду) der Meister und die Gesellen schauten ihm dabei zu. Sie standen wie angewurzelt (как вкопанные: «как укоренившиеся»: die Wurzel – корень) an ihren Plätzen und kamen mit ihren Blicken nicht los von ihm. (не могли оторвать глаз) Endlich schob (отодвинул) er den Teller weg, wischte (вытер) sich mit dem Ärmel (рукавом) die Lippen und meinte: «Ah, das hat gut geschmeckt – und schön reichlich (обильно) ist's auch gewesen... Zum Wohlsein, Brüder!» Er schwenkte den Becher (бокал) und trank den Gesellen zu. «Du aber», riet er dem Meister, «solltest in Zukunft (в будущем) genauer hinsehen, ehe (прежде чем) du einem Fremden die Tür weist – das lass dir von Pumphutt gesagt sein!» (ты уж послушай Пумпхута) Damit erhob er sich, griff nach Handbeil und Reisebündel und ging aus der Mühle. Krabat und die Gesellen drängten ihm nach, (поспешили за ним) den Meister allein zurücklassend. (оставив) Draußen hatte sich das Gewitter verzogen, (закончилась) die Sonne stand über dem dampfenden Koselbruch, die Luft schmeckte frisch wie Brunnenwasser. (как колодезная вода) Pumphutt ging seines Weges, ohne sich umzublicken. Quer durch die nassen Wiesen schritt er dem Wald zu und pfiff sich eins. Ein paarmal blinkte sein goldener Ohrring auf in der Sonne. «Hab ich's euch nicht gesagt?» meinte Andrusch. «Wer es mit Pumphutt zu tun kriegt, (встречается, имеет дело) merkt immer erst hinterher, (лишь потом) dass es ihm besser bekommen wäre, hätte er's gleich (сразу) gemerkt...»

 

176 Der Meister fügte sich zähneknirschend. Er hatte den Zweikampf verloren, er musste kuschen. Der Fremde verzehrte in aller Ruhe das Mahl, der Meister und die Gesellen schauten ihm dabei zu. Sie standen wie angewurzelt an ihren Plätzen und kamen mit ihren Blicken nicht los von ihm. Endlich schob er den Teller weg, wischte sich mit dem Ärmel die Lippen und meinte: «Ah, das hat gut geschmeckt – und schön reichlich ist's auch gewesen... Zum Wohlsein, Brüder!» Er schwenkte den Becher und trank den Gesellen zu. «Du aber», riet er dem Meister, «solltest in Zukunft genauer hinsehen, ehe du einem Fremden die Tür weist – das lass dir von Pumphutt gesagt sein!» Damit erhob er sich, griff nach Handbeil und Reisebündel und ging aus der Mühle. Krabat und die Gesellen drängten ihm nach, den Meister allein zurücklassend. Draußen hatte sich das Gewitter verzogen, die Sonne stand über dem dampfenden Koselbruch, die Luft schmeckte frisch wie Brunnenwasser. Pumphutt ging seines Weges, ohne sich umzublicken. Quer durch die nassen Wiesen schritt er dem Wald zu und pfiff sich eins. Ein paarmal blinkte sein goldener Ohrring auf in der Sonne. «Hab ich's euch nicht gesagt?» meinte Andrusch. «Wer es mit Pumphutt zu tun kriegt, merkt immer erst hinterher, dass es ihm besser bekommen wäre, hätte er's gleich gemerkt...»

 

177 Drei Tage und Nächte lang schloss der Müller sich in der Schwarzen Kammer ein. (уединился, заперся) Die Mühlknappen schlichen (прокрадывались: schleichen) auf Zehenspitzen (на цыпочках) durchs Haus. Sie waren dabeigewesen, (присутствовали) als Pumphutt den Meister im Zauberkampf überwunden hatte; (преодолел, одержал победу) sie konnten sich ausrechnen, (вычислить, предвидеть) dass ihnen schlechte Zeiten bevorstanden. (предстояли) Am Abend des vierten Tages war es soweit. (наступил этот момент) Der Meister erschien unterm Abendbrot (после ужина, к концу ужина) in der Gesindestube und holte sie von den Schüsseln weg. (отвлек) «An die Arbeit!» Er musste getrunken haben, sie rochen (унюхали: riechen) es gegen den Wind. Hohlwangig (осунувшийся: hohl – пустой die Wange – щека) stand er vor ihnen, bleich wie der Tod, (бледный, как смерть) das Gesicht voll Bartstoppeln. (в щетине: der Bart – борода, die Stoppeln – щетина) «Seid ihr noch nicht in der Mahlstube, muss ich euch Beine machen? (вам что, ноги приделать) Los, (давайте) lasst die Mühle anlaufen, (запускайте) schüttet Korn auf! Wir mahlen auf allen Gängen (всеми жерновами) – und wehe (и не поздоровится) euch, wenn mir (мне тут) einer trödelt!» (бродить без дела) Die ganze Nacht lang mussten die Burschen sich in der Mühle abrackern. (надрываться) Unbarmherzig trieb sie der Meister zur Eile an. (подстегивал: treiben – гнать; die Eile – спешка) Schreiend und fluchend jagte er sie umher, (гонял) stieß Verwünschungen aus, (выкрикивал проклятия) drohte Strafen an, (угрожал наказаниями) ließ sie kaum zur Besinnung kommen. (не давал отдышаться: die Besinnung – сознание, память, чувство) Es gab keine Pause während der ganzen Nacht, keinen Augenblick zum Verschnaufen. (дух перевести) Als endlich der Morgen graute, waren die Burschen zum Umfallen müde. (с ног валились от усталости) Sie kamen sich vor, als habe man ihnen die Knochen im Leib mit Knüppeln zerschlagen, (им казалось, будто им кости в теле дубинками разбили) und keiner, der nicht nach Atem rang. (не задыхался: «бороться за дыхание»; der Atem, ringen) Der Meister schickte sie auf die Pritschen, sie sollten sich ausruhen.

 

177 Drei Tage und Nächte lang schloss der Müller sich in der Schwarzen Kammer ein. Die Mühlknappen schlichen auf Zehenspitzen durchs Haus. Sie waren dabeigewesen, als Pumphutt den Meister im Zauberkampf überwunden hatte; sie konnten sich ausrechnen, dass ihnen schlechte Zeiten bevorstanden. Am Abend des vierten Tages war es soweit. Der Meister erschien unterm Abendbrot in der Gesindestube und holte sie von den Schüsseln weg. «An die Arbeit!» Er musste getrunken haben, sie rochen es gegen den Wind. Hohlwangig stand er vor ihnen, bleich wie der Tod, das Gesicht voll Bartstoppeln. «Seid ihr noch nicht in der Mahlstube, muss ich euch Beine machen? Los, lasst die Mühle anlaufen, schüttet Korn auf! Wir mahlen auf allen Gängen – und wehe euch, wenn mir einer trödelt!» Die ganze Nacht lang mussten die Burschen sich in der Mühle abrackern. Unbarmherzig trieb sie der Meister zur Eile an. Schreiend und fluchend jagte er sie umher, stieß Verwünschungen aus, drohte Strafen an, ließ sie kaum zur Besinnung kommen. Es gab keine Pause während der ganzen Nacht, keinen Augenblick zum Verschnaufen. Als endlich der Morgen graute, waren die Burschen zum Umfallen müde. Sie kamen sich vor, als habe man ihnen die Knochen im Leib mit Knüppeln zerschlagen, und keiner, der nicht nach Atem rang. Der Meister schickte sie auf die Pritschen, sie sollten sich ausruhen.

 

178 Tagsüber ließ er sie völlig in Frieden, (оставил в покое) aber am Abend fing alles wieder von vorne an. (начиналось сначала) So ging das nun Nacht für Nacht. Wenn es dunkelte, (стемнело) trieb der Meister sie in die Mahlstube, und dann mussten sie schuften, (вкалывать) beschimpft (обруганные) und verhöhnt (униженные: der Hohn – насмешка) und herumgehetzt (замотанные) bis zum Morgengrauen des neuen Tages. Nur in den Nächten von Freitag auf Samstag brauchten sie nicht zu arbeiten, weil der Unterricht an den Freitagabenden weiterhin stattfand. (состоялся, проводился: stattfinden) Bloß waren die Burschen so müde, dass sie sich, wenn sie in Rabengestalt auf der Stange hockten, kaum wachzuhalten (бодрствовать) vermochten, (могли, были в состоянии) und manche schliefen sogar vor Erschöpfung ein. (засыпали от изнурения) Der Meister scherte sich nicht darum. (Мастера это не волновало, ему было наплевать) Was und wie viel sie lernten, war ihre Sache. Nur einmal, als Witko im Schlaf von der Stange plumpste, (шлепнулся) konnte er nicht umhin, (не мог не) ihn zu tadeln. (ругать, порицать) Von allen Burschen war Witko am schlimmsten dran, (хуже всего приходилось) weil er noch im Wachsen war. (еще рос, был в процессе роста) Ihm setzte die nächtliche Arbeit am meisten zu. (донимала) Michal und Merten versuchten zwar, sich des Jungen anzunehmen; (заняться им, помочь ему) auch Hanzo, Krabat und Staschko gingen ihm, wo es sich machen ließ, (где это было возможно) bei der Arbeit zur Hand (помогали: jmdm zur Hand gehen) – doch der Meister war überall, und dem Blick seines einen Auges entging (не уходило от его взгляда) nur wenig. Von Pumphutt war niemals die Rede. Trotzdem wussten die Burschen, dass sie der Meister bestrafte, weil sie bei seiner Niederlage (поражении) zugegen gewesen waren. (присутствовали) So ging das nun wochenlang bis zur ersten Neumondnacht im September. Der mit der Hahnenfeder kam vorgefahren wie immer, die Burschen machten sich an die Arbeit, der Meister erklomm (забирался: erklimmen) den Kutschbock. Er griff sich die Peitsche, er ließ sie schnalzen. Schweigend rannten die Knappen mit ihren Säcken vom Wagen zur Mahlstube, kippten (переворачивали) das Zeug in die Schütte des Toten Ganges und eilten zurück zum Wagen.

 

178 Tagsüber ließ er sie völlig in Frieden, aber am Abend fing alles wieder von vorne an. So ging das nun Nacht für Nacht. Wenn es dunkelte, trieb der Meister sie in die Mahlstube, und dann mussten sie schuften, beschimpft und verhöhnt und herumgehetzt bis zum Morgengrauen des neuen Tages. Nur in den Nächten von Freitag auf Samstag brauchten sie nicht zu arbeiten, weil der Unterricht an den Freitagabenden weiterhin stattfand. Bloß waren die Burschen so müde, dass sie sich, wenn sie in Rabengestalt auf der Stange hockten, kaum wachzuhalten vermochten, und manche schliefen sogar vor Erschöpfung ein. Der Meister scherte sich nicht darum. Was und wie viel sie lernten, war ihre Sache. Nur einmal, als Witko im Schlaf von der Stange plumpste, konnte er nicht umhin, ihn zu tadeln. Von allen Burschen war Witko am schlimmsten dran, weil er noch im Wachsen war. Ihm setzte die nächtliche Arbeit am meisten zu. Michal und Merten versuchten zwar, sich des Jungen anzunehmen; auch Hanzo, Krabat und Staschko gingen ihm, wo es sich machen ließ, bei der Arbeit zur Hand – doch der Meister war überall, und dem Blick seines einen Auges entging nur wenig. Von Pumphutt war niemals die Rede. Trotzdem wussten die Burschen, dass sie der Meister bestrafte, weil sie bei seiner Niederlage zugegen gewesen waren. So ging das nun wochenlang bis zur ersten Neumondnacht im September. Der mit der Hahnenfeder kam vorgefahren wie immer, die Burschen machten sich an die Arbeit, der Meister erklomm den Kutschbock. Er griff sich die Peitsche, er ließ sie schnalzen. Schweigend rannten die Knappen mit ihren Säcken vom Wagen zur Mahlstube, kippten das Zeug in die Schütte des Toten Ganges und eilten zurück zum Wagen.

 

179 Alles lief ab, (протекало, проходило) wie es stets in den Neumondnächten zu laufen pflegte, um einiges mühsamer (с большими усилиями) freilich (впрочем) – und später dann, um die Wende (при наступлении: «повороте, на рубеже») der zweiten Morgenstunde, geschah es, dass Witko nicht weiterkonnte. Beladen mit einem der letzten Säcke, begann er zu torkeln (шататься) und brach zusammen, (свалился) auf halbem Weg zwischen Fuhrwerk und Mahlstube. Keuchend (тяжело дыша) lag er im Gras, das Gesicht nach unten. Michal drehte ihn auf den Rücken, er riss ihm das Hemd auf. (разорвал) «Heda!» (эй) Der Meister war aufgesprungen. «Was soll das!» «Da fragst du noch?» Michal, sich aufrichtend, (поднимаясь) brach (нарушил) das sonst in den Neumondnächten gewahrte Schweigen. (соблюдаемое молчание) «Wochenlang hast du uns Nacht für Nacht schuften lassen – wie soll das der Junge durchhalten?» (вынести) «Kusch!» rief der Meister. Er schlug mit der Peitsche nach Michal, die Schwippe (кнут) ringelte sich (обвился) um dessen Hals. «Lass das bleiben!» Zum erstenmal hörte Krabat den Fremden sprechen. Es war eine Stimme wie glühende Kohlen (тлеющие угли) und klirrender Frost (трескучий мороз) in einem. Er spürte, wie es ihm eiskalt den Rücken hinablief, (холодок пробежал по спине) während er gleichzeitig das Gefühl hatte, (одновременно имел чувство) mitten in einem lichterloh brennenden Feuer zu stehen. (что стоит в ослепительно полыхающем огне) Der mit der Hahnenfeder bedeutete Michal mit einer Handbewegung, (указал движением руки) Witko beiseite zu schaffen; (отодвинуть в сторону) dann nahm er dem Meister die Peitsche weg und stieß ihn (оттолкнул его) vom Wagen. Anstelle (вместо) des Jungen, den Michal zu Bett brachte, musste der Müller nun für den Rest der Nacht mit den Burschen arbeiten, wie er's sonst nur in der Zeit zwischen Neujahr und Ostern zu tun gezwungen war – und die Mühlknappen gönnten ihm das. (были рады этому: gönnen – желать, позволять)

 

179 Alles lief ab, wie es stets in den Neumondnächten zu laufen pflegte, um einiges mühsamer freilich – und später dann, um die Wende der zweiten Morgenstunde, geschah es, dass Witko nicht weiterkonnte. Beladen mit einem der letzten Säcke, begann er zu torkeln und brach zusammen, auf halbem Weg zwischen Fuhrwerk und Mahlstube. Keuchend lag er im Gras, das Gesicht nach unten. Michal drehte ihn auf den Rücken, er riss ihm das Hemd auf. «Heda!» Der Meister war aufgesprungen. «Was soll das!» «Da fragst du noch?» Michal, sich aufrichtend, brach das sonst in den Neumondnächten gewahrte Schweigen. «Wochenlang hast du uns Nacht für Nacht schuften lassen – wie soll das der Junge durchhalten?» «Kusch!» rief der Meister. Er schlug mit der Peitsche nach Michal, die Schwippe ringelte sich um dessen Hals. «Lass das bleiben!» Zum erstenmal hörte Krabat den Fremden sprechen. Es war eine Stimme wie glühende Kohlen und klirrender Frost in einem. Er spürte, wie es ihm eiskalt den Rücken hinablief, während er gleichzeitig das Gefühl hatte, mitten in einem lichterloh brennenden Feuer zu stehen. Der mit der Hahnenfeder bedeutete Michal mit einer Handbewegung, Witko beiseite zu schaffen; dann nahm er dem Meister die Peitsche weg und stieß ihn vom Wagen. Anstelle des Jungen, den Michal zu Bett brachte, musste der Müller nun für den Rest der Nacht mit den Burschen arbeiten, wie er's sonst nur in der Zeit zwischen Neujahr und Ostern zu tun gezwungen war – und die Mühlknappen gönnten ihm das.

 





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