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Aufgabe 7. Kommentieren Sie!. Aufgabe 9. Finden Sie einen anderen Titel für den Text!.   Aufgabe 10. Schreiben Sie ein Kurzreferat zum Problem des Artikels!




Aufgabe 7. Kommentieren Sie!

- „Der amerikanische Prä sident bewegte sich im vereinigten Berlin mit einer Selbsverstä ndlichkeit, als sei diese Stadt nie geteilt gewesen. Mit Putin wird das schwer. ”

Aufgabe 8. Nehmen Sie Stellung!

- Die Russen lehnten ab, einen Kranz in der Neuen Wache niederzulegen. Stattdessen wollen sie am Treptower Ehrenmal im Osten Berlins der russischen Opfer des Faschismus gedenken. Hier hatten sich die russischen Besatzer 1994 zu dem eigens komponierten Lied „Lebe wohl. Deutschland“ im Stechschritt verabschiedet.

Aufgabe 9. Finden Sie einen anderen Titel fü r den Text!

    Aufgabe 10. Schreiben Sie ein Kurzreferat zum Problem des Artikels!

TEXT

  Strategie der Selbstbehauptung

von Helmut Schimdt

Wer sich die Entwicklung der Welt im Laufe der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts vorstellt, der wird erkennen, dass auch die grö ß ten Staaten Europas ihre Interessen gegenü ber den zukü nftigen Weltmä chten behaupten mü ssen. Neben die Supermacht USA wird die Weltmacht China treten. Russland wird - trotz seiner noch Jahrzehnte andauernden inneren Schwä chen -Weltmacht bleiben. Japan wird eine Finanz-Weltmacht bleiben. Auch Indien kann eine Weltmacht werden; ebenso wie China wird Indien noch vor der Jahrhundertmitte 1500 Millionen Menschen umfassen. Brasilien kann sich zur Weltmacht entwickeln. Die Zahl der Nuklearwaffen-Staaten hat sich bereits auf acht vermehrt, sie kö nnte weiterhin ansteigen.

Fast ü berall in Asien und Afrika, zum Teil auch in Lateinamerika, schreitet das Bevö lkerungswachstum dramatisch fort, wä hrend Europas Einwohnerzahlen eher abnehmen werden. In der Mitte des 21. Jahrhunderts werden sechsmal so viele Menschen auf der Erde leben wie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die pro Person verfü gbaren Anteile an Raum und Wasser werden weiter schrumpfen, dies wird viele Kriege in anderen Erdteilen nach sich ziehen. Die Fragen nach der Eindä mmung der Kriege und Flü chtlingsströ me, die Probleme der Rü stungsbegrenzung oder der Gestaltung der Entwicklungshilfe werden nach internationalen Lö sungen rufen.

Weil eine steile Zunahme der Emission von Treibhausgasen die erschreckende Aussicht auf globale Erwä rmung nebst Anstieg der Oberflä che der Ozeane erö ffnet, wird eine auch nur einigermaß en ausreichende Erhaltung der globalen Umwelt nach internationalen Regeln verlangen. Die bisherige Erfahrung lä ß t erwarten, daß die Weltmä chte egoistisch versuchen werden, die notwendigen Opfer von sich selbst abzuwenden. Dies ist ebenso fü r die Ordnung der globalen Finanzmä rkte sowie auf den Feldern der nuklearen und strategischen Rü stungsbegrenzung zu befü rchten.

Wie Macht und Einfluß kü nftig in der Welt verteilt sein werden, hat sich in den Klimakonferenzen oder wä hrend der Wä hrungsturbulenzen und transnationalen Kreditkrisen der neunziger Jahre schon gezeigt. Weder Belgien noch Italien, weder Polen noch Schweden, weder Frankreich noch Deutschland - keiner der europä ischen Staaten wird allein genug Gewicht haben, um seine legitimen Interessen angemessen zu verteidigen.

Fü r die Zukunft der EU wird das strategische Motiv der gemeinsamen Selbstbehauptung der europä ischen Nationen und Staaten eine wachsende und schließ lich ü berragende Bedeutung gewinnen. Wenn die Europä er gut beraten sind, so werden sie sich dabei weiterhin an die USA anlehnen, nicht aber sich von den Amerikanern abhä ngig machen. Manche weltstrategisch denkenden Amerikaner - einige Englä nder folgen ihnen dabei - neigen heute dazu, ihre groß e und vitale Nation als die zukü nftig einzige Weltmacht und die allein fü r globale Ordnung sorgende Macht anzusehen. Deshalb erscheint ihnen eine allzu selbststä ndige EU unerwü nscht. Jedoch sind nicht alle machtpolitischen, sozial ­und wirtschaftspolitischen oder kulturellen Konzepte Amerikas fü r uns Europä er brauchbar. Die Franzosen spü ren das etwas deutlicher als wir Deutschen. Aber auch hierzulande stö rt die weltpolitische Diskontinuitä t und Mehrdeutigkeit amerikanischer Weltpolitik: gegenü ber Ruß land oder China, gegenü ber dem Islam und auch hinsichtlich der zukü nftigen Aufgaben der NATO. Europa muß sich befä higen, auch gegenü ber dem verbü ndeten und befreundeten Amerika mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen.

Das strategische Motiv der gemeinsamen Selbstbehauptung hat heute vor 50 Jahren im Beginn der (damals west-) europä ischen Integration noch keine Rolle gespielt. Zwei andere strategische Motive waren entscheidend: die Schaffung einer Barriere gegen den Expansionismus der stalinschen Sowjetunion und die Einbindung Deutschlands - damals bloß Westdeutschlands. Beide Motive entsprangen, nach zwei Weltkriegen, der tief begrü ndeten Sorge um die Erhaltung des Friedens in Europa. Das antisowjetische (oder antirussische) Motiv hat heute kaum noch Bedeutung. Das Motiv der Einbindung Deutschlands dagegen bleibt, wegen unserer Grö ß e nach der Wiedervereinigung, auch im 21. Jahrhundert bedeutsam - ebenso wie die franzö sische Einsicht, daß die Einbindung Deutschlands nur bei entsprechender Selbsteinbindung Frankreichs mö glich ist. Inzwischen ist zusä tzlich schon lange die Einsicht in den groß en sozialö konomischen Vorteil der Wirtschafts- und Wä hrungsunion zu einem strategischen Motiv der europä ischen Staatsmä nner geworden. Im 21. Jahrhundert wird das Motiv der Selbstbehauptung hinzutreten.

„Die Zeit“ 21. 10. 1999

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